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Umgang mit aggressiven Demenzkranken

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Es ist nicht einfach, wenn ein Familienangehöriger an Demenz erkrankt. Viele Menschen stehen der Krankheit hilflos gegenüber und sehen mit Erschrecken, wie schnell sich eine geliebte Person ändert - mehr innerlich als äußerlich. Viele Familien schaffen es, einen Demenzerkrankten im vertrauten Umfeld zu pflegen.

Hierbei kann es leicht zu Situationen kommen, in denen man glaubt, nicht mehr weiter zu wissen. Es ist dabei hilfreich, sich möglichst viel Wissen über die Krankheit und ihren Verlauf anzueignen. So kann man besser verstehen, was in dem Erkrankten vorgeht und sich auch als Pflegender besser darauf einstellen. Eine besondere Herausforderung stellen Situationen dar, in denen es zu aggressiven Handlungen des Erkrankten kommt.

Alzheimer und Aggression

Eine Demenz muss nicht zwangsläufig mit aggressivem Verhalten verbunden sein. Aggressionen können aber im Verlauf der Krankheit durchaus eine Rolle spielen. Aggressives Verhalten kann sich dabei zum einen gegen sich selbst richten, man spricht hier von Auto-Aggression. Viele pflegende Angehörige haben aber auch Situationen erlebt, in denen der Demenzkranke plötzlich verbal oder körperlich aggressiv gegenüber seiner Familie geworden ist. Gerade, wenn solche aggressiven Handlungen völlig unerwartet kommen, ist es schwer, damit umzugehen. Es stellt sich dann die Frage, wie man sich selbst und andere Familienangehörige zum einen rein physisch schützen kann. Diese Frage ist vor allem dann wichtig, wenn der Erkrankte den pflegenden Angehörigen körperlich überlegen ist und man weiterhin davon ausgehen muss, dass sich aggressives Verhalten durch das Fortschreiten der Krankheit weiter häufen wird. Hier ist eine professionelle Beratung dringend notwendig. Schwerwiegender als die eventuelle Sorge, körperlich verletzt zu werden, wiegt aber meist auch das seelische Leid der Pflegenden. Es ist schwer zu akzeptieren, dass die Demenz einen Menschen so sehr verändert, dass er sich aggressiv gegenüber seinen Bezugspersonen verhält.

Aggression vermeiden durch Validieren

Demenzerkrankte verstehen sprichwörtlich die Welt nicht mehr. Sie erkennen nicht nur irgendwann im Laufe der Erkrankung auch nahe stehende Personen nicht mehr. Es ruft aber auch in den Erkrankten teils aggressives Verhalten hervor, wenn sie spüren, dass sie sich nicht mehr orientieren können. Gerade zu Beginn der Erkrankung ist davon auszugehen, dass die Betroffenen noch spüren, dass ihnen ihr Alltag mehr und mehr entgleitet und sie zunehmend auf die Hilfe Dritter angewiesen sind - auch, wenn sie dies gar nicht wollen. Im späteren Verlauf der Demenz sind Betroffene aber gar nicht mehr für den Versuch rationaler Erklärungen empfänglich. Es bringt schlicht nichts, ihnen mehrfach zu erklären, dass die eigenen Eltern doch bereits längst verstorben sind, dass Winter und nicht Hochsommer ist und dass die Zeit des aktiven Berufslebens unwiederbringlich vorbei ist. Für den Demenzerkrankten sind seine Gedanken die Realität. Jeder Versuch der pflegenden Angehörigen zu verdeutlichen, dass die Gedanken falsch sind, muss scheitern.

Hier setzt die Technik der Validation an. Beim Validieren geht es vereinfacht gesagt darum, dem Erkrankten "Recht zu geben", seine Wahrnehmung der Realität zu bestätigen. Auch, wenn man selbst weiß, dass die Dinge komplett anders liegen. Der Sinn besteht darin, den Erkrankten innerlich ruhig zu stimmen. Man muss nicht dement sein, um nachspüren zu können, dass es auf Dauer traurig und aggressiv macht, wenn man sich von seinen Mitmenschen unverstanden fühlt. So geht es auch den demenziell Erkrankten. Sie wollen sich verstanden wissen, können bedingt durch die Krankheit nur ihre Wahrnehmung der Welt als Realität ansehen. Es hat nichts mit Lüge zu tun, wenn man die Wahrnehmung des Betroffenen bestätigt. Dies kann in der einfachsten Art und Weise dadurch geschehen, dass man Fragen, die der Betroffene bejaht haben will, auch klar mit Ja beantwortet, selbst, wenn dies sachlich nicht die zutreffende Antwort ist. Es geht hier nicht mehr darum, Wissen zu vermitteln oder ein Weltbild zu korrigieren - diese Ziele können und müssen nicht mehr erreicht werden und würden auch am Verlauf der Krankheit nichts ändern. Es macht Sinn zu versuchen, sich in die Welt des Dementen einzudenken, Situationen, die er gerade gedanklich erlebt, mitzugehen und darauf auch kommunikativ einzugehen. Die Technik der Validation können pflegende Angehörige auch in speziellen Kursen erlernen.

Gut für sich selbst sorgen

Einen Demenzerkrankten zu pflegen, ist mitunter eine Schwerstaufgabe. Jeder Tag kann anders sein, und solange der Betroffene körperlich noch mobil ist, kann die Pflege eine immense Herausforderung sein. Wichtig ist es, es sich selbst so einfach wie möglich zu machen. Dazu gehört auch, den Gedanken aufzugeben, den Betroffenen heilen zu können, indem man nur oft genug sagt, dass seine Gedanken doch sachlich falsch sind. So werden Aggressionen geschürt, die die Pflege schwerer als nötig machen. Ein ruhiges, validierendes Umfeld stellt für den Erkrankten die Chance dar, in seiner Wahrnehmung zu leben und sich anerkannt zu fühlen.

Dennoch ist auch Validation keine Garantie, dass es niemals zu aggressivem Verhalten kommen kann. Kam es zu einer Situation, in der Aggressivität vorherrschte, ist es wichtig, sich gegebenenfalls professionell beraten zu lassen. Jedem sei geraten, die Aggressionen niemals auf sich persönlich zu beziehen. Aggression seitens des Erkrankten ist bedingt durch die Alzheimer Erkrankung und kann nicht mehr rational gesteuert werden. Um die eigenen Gefühle aber einordnen und sortieren zu können, damit die Kraft nicht verloren geht, kann professionelle Beratung hilfreich sein.

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